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Stockholm/Genf, den 5. Dezember 2003

Tschetschenische Menschenrechtsverteidigerin gewinnt den höchstangesehenen Preis der internationalen Menschenrechtsbewegung

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Pressekommuniqué auf Deutsch

Die Martin Ennals Stiftung kündigte heute an, dass Lidia Jusupowa zur Gewinnerin des Martin Ennals Preises für Menschenrechtsverteidiger (MEA) 2004 gewählt wurde.

Lidia Jusupowa koordiniert seit drei Jahren des Büro der russischen Menschenrechtsorganisation “Memorial” in Grosny. Es handelt sich um ein bescheidenes Büro mit nur sechs Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern. Damit ist „Memorial“, deren Hauptsitz in Moskau ist, eine der wenigen Menschenrechtsorganisationen, die überhaupt noch in Tschetschenien aktiv sind. Das kleine Büro versorgt die ganze Welt mit Dokumentationen von Menschenrechtsverletzungen in dieser russischen Teilrepublik.

Lidia Jusupowa sammelt Informationen von Opfern und Zeugen, die sich nach Grosny wagen, oder sucht selbst die Orte auf, an denen es zu Ermordungen und Verschwindenlassen kam. Sie begleitet Angehörige bei ihren Klagen gegenüber der russischen Armee und den Sicherheitsdiensten und leistet Rechtshilfe, insofern als das Rechtssystem in diesem Teil der Russischen Föderation noch funktioniert.

Der Vorsitzende der MEA-Jury, Hans Thoolen, nannte Lidia Jusupowa „eine der mutigsten Frauen in Europa“. Dass Lidia Jusupowa diesen Preis für ihre unermüdlichen Anstrengungen verdient – in einer Situation des Krieges und extremer Gefahr, in welcher Frauen besonders hohe Risiken eingehen –, sei unter den beteiligten Organisationen ein vollkommener Konsens gewesen. Lidia Jusupowas Büro in Grosny müsse in völlig isoliert agieren, da der Zugang nach Tschetschenien für internationale Institutionen und Nichtregierungsorganisationen sowie für unabhängige Medien äußerst eingeschränkt sei. Letztes Jahr sei das Büro Ziel eines direkten Angriffes der russischen Armee gewesen, doch habe das Team sein unverzichtbare Beobachtertätigkeit fortgesetzt.

Die feierliche Übergabe des Preises, der mit 20.000,- Schweizer Franken dotiert ist, wird am 7. April 2004 in Genf erfolgen. Sie wird durch das schweizerische Fernsehen TSR live übertragen und später durch den französischen Sender TV5 ausgestrahlt, der von Millionen von Haushalten empfangen werden kann.   

Der Martin Ennals Preis für Menschenrechtsverteidiger (MEA) ist eine einzigartige Kooperation von zehn der weltweit führenden regierungsunabhängigen Menschenrechtsorganisationen. In der Jury vertreten sind: Amnesty International, Defence for Children, Diakonisches Werk der Evangelischen Kirche in Deutschland, Human Rights Watch, Huridocs, International Alert, Internationale Juristenkommission, Internationale Föderation für Menschenrechte (fidh), International Service for Human Rights und die Weltorganisation gegen die Folter (OMCT). Die zehn früheren Trägerinnen und Träger des MEA sind: Alirio Uribe Muñoz, Kolumbien (2003); Jacqueline Moudeina, Tschad; Peace Brigades International; Immaculée Birhaheka, DR Kongo; Natascha Kandic, Jugoslawien; Eyad El Sarraj, Palästina; Samuel Ruiz García, Mexico; Clement Nwankwo, Nigeria; Asma Jahangir, Pakistan; Harry Wu, China (1994).

Martin Ennals (1927-1991) war eine der Schlüsselfiguren der modernen Menschenrechtsbewegung. Er war der erste Generalsekretär von Amnesty International und eine treibende Kraft hinter mehreren anderen Organisationen. Eines seiner Grundanliegen war, dass Nichtregierungsorganisationen mehr zusammen arbeiten und untereinander solidarisch sind: Dass dies möglich, dafür ist der nach ihm benannte Preis ein Beweis.